Eine Stimme, die sagte: „Nicht so“
Vor etwa zehn Jahren, als ich mit meinem Masterstudium begann,
bekam ich große Angst davor zu spielen.
Es gab kein traumatisches Ereignis
und keine extreme Erfahrung.
Da war einfach eine Stimme.
Eine Stimme, die sagte: „Hm, nein – nicht so.“
Diesen kurzen Satz hörte ich jedes Mal, wenn ich spielte. Nicht so.
Begleitet wurde er von einem leisen „sss“, das entstand, wenn man die Zähne zusammenpresste und Luft einsog.
Wenn ständig eine Stimme da ist, die immer wieder sagt, dass alles, was man tut, nicht gut genug ist, beginnt man, an allem zu zweifeln. Ich zweifelte an allem.
Ich hatte Angst bei jeder Situation, in der ich mich zeigen musste: im Unterricht bei meinem Schlagzeuglehrer, bei Kammermusikproben, bei Orchesterproben, sogar wenn ich allein in einem Raum übte. Immer.
Meine Kommiliton:innen waren viel besser als ich. Alle konnten es – nur ich nicht. Meine Lehrer mussten mich anlügen, wenn sie sagten, dass etwas, das ich spielte, gut war.
Komplimente und positive Rückmeldungen von Kolleg:innen oder vom Publikum waren für mich damals entweder gelogen oder einfach ein Irrtum.
In manchen Unterrichtssituationen und internen Vorspielen war ich so nervös und meine Hände zitterten so stark, dass ich mir nur wünschte, es möge endlich aufhören.
Es war eine Qual. Und ohne eine andere Lösung wurde ich wütend auf die Musik. Ich entschied, dass Musik vielleicht einfach nichts für mich war.
Aber...:- Ich war stellvertretender Solopauker am Teatro Colón
- Ich war Mitglied der Akademie des Teatro-Colón-Orchesters
- Ich habe mein Studium als Schlagzeugpädagoge abgeschlossen
- Ich wurde an vier europäischen Universitäten angenommen
Konnte diese Person wirklich nicht spielen? Wie konnte jemand so weit kommen und sich dabei so schlecht fühlen?
Und was, wenn nicht die Musik an all dem schuld war? Was, wenn ich mich aus einem anderen Grund so fühlte?
Es ist zu viel, von der Musik zu erwarten, dass sie uns gut fühlen lässt. Musik ist etwas anderes.
Nach und nach begann ich, die Musik von all dem zu entlasten und mir zu erlauben, mich wieder mit dem zu verbinden, was mich wirklich bewegt.
Und du – kannst du erkennen, welchen Satz du dir sagst, jedes Mal, wenn du spielst?